Baulicher Brandschutz im Tunnelbau

Verkehrsbauten wie Tunnel unterliegen strengen Auflagen und umfangreichen Qualitätsprüfungen. Bedingt durch Unfallabwehrmaßnahmen wie z.B. Geschwindigkeitsbegrenzungen oder Überholverbote ist die Unfallhäufigkeit im Tunnel durchschnittlich geringer wie im Freiland. Auch sind Tunnelstraßen nicht den Witterungsverhältnissen wie Schnee, Glatteis usw. ausgesetzt. Dagegen steht allerdings die Tatsache, dass die Ausmaße eines Brandes im Tunnel meist erheblich schwerwiegender sind als auf freier Strecke.

Funktionserhalt elektrischer Sicherheitsanlagen

Die schnelle und sichere Evakuierung von Personen im Falle eines Brandes setzt voraus, dass alle relevanten Sicherheitseinrichtungen für diesen Zweck in ihrer Funktion nicht beeinträchtigt werden. Straßentunnel werden daher zum größten Teil mit elektrischen Leitungsanlagen (Leitungen + Verteiler) ausgestattet, die neben der allgemeinen Stromversorgung (AV) der Versorgung sicherheitstechnische Anlagen im Tunnel dienen, die im Brandfall ihre Funktion für eine bestimmte Zeitdauer (Funktionserhalt 90 min) aufrechterhalten müssen (z.B, Nacht-/ Not-/ Brandnotbeleuchtung, Entrauchung, Löscheinrichtungen, etc.).

Die größte potentielle Brandgefahr geht von den sich auf der Fahrbahn befindlichen Fahrzeugen aus. Aber auch die allgemeine Stromversorgung (AV) kann bei Fehlfunktionen mit Brandfolge die sicherheitstechnischen Anlagen negativ beeinflussen und in ihrer Funktion einschränken oder sogar aufheben.


Durch den konsequenten Einsatz von standardisierten, bauaufsichtlich zugelassenen Brandschutzprodukten können diese Gefahren weitgehend ausgeschlossen werden und garantieren damit ein höheres Sicherheitsniveau im Gesamtsicherheitskonzept von Straßentunnel.

Trennung von Brand- und Rauchabschnitten

Rettungswege sind rauchfrei zu halten. Hierzu sind Schleusen oder Überdruckbelüftung geeignet. Die Flucht- und Rettungswege sind brandschutztechnisch so zu trennen, dass jede Röhre, jeder Rettungsstollen und jeder Rettungsschacht für sich als ein Brandabschnitt betrachtet werden kann.

Rettungszonen im Tunnelvortrieb

Im Tunnelbau wird grundsätzlich zwischen offener Bauweise, bei der der Tunnel von oben her gebaut wird, und der geschlossener Bauweise, bei der der Tunnel von einem oder beiden Endpunkten her vorangetrieben wird. Bei der geschlossenen Bauweise wird der Vortrieb mit Tunnelbohrmaschinen (Schildvortrieb) durchgeführt.
Die Vortriebe werden unter Beachtung bestehender technischer Regelwerke (RABT, BOStrab und EBA-Ril) in drei Gefährdungsklassen eingeteilt. Im Rahmen des bauzeitlichen Sicherheitskonzeptes sind detaillierte Brandschutz-, Flucht- und Rettungskonzepte einschließlich eines Alarm- und Einsatplanes zu erstellen. In diesem Konzept ist festzulegen, ob für den geplanten Vortrieb Schutzcontainer oder Rettungscontainer einzusetzen sind.

Rettungscontainer sind nur dann aufzusuchen, wenn eine Flucht zu einem auf Dauer sicheren Bereich mit angelegtem Sauerstoffselbstretter nicht möglich ist. Der Rettungscontainer dient der zeitlich begrenzten, sicheren Aufnahme von Menschen im Ereignisfall Brand und/oder bei Gaszutritten.