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Recht + Gesetz Funktionserhalt

Weitere Informationen:
Alle Mustervorschriften und Mustererlasse: www.is-argebau.de
Aktuelle Bauregelliste vom DIBt
EU-Bauproduktenverordnung

Elektrischer Funktionserhalt im Hoch- und Industriebau

Schutzziele und Vorschriften

Zum Schutz vor äußerer Brandeinwirkung müssen elektrische Leitungsanlagen für sicherheitstechnische Anlagen und Einrichtungen so ausgeführt werden, dass diese im Brandfall für eine bestimmte Zeitdauer funktionsfähig bleiben. Bestandteile von elektrischen Leitungsanlagen sind sowohl Leitungen als auch Verteiler.
Zum Schutz der Verteiler vor äußerer Brandeinwirkung werden Brandschutzgehäuse und Räume verwendet, die dieses Schutzziel erfüllen.

Zu den Leitungsanlagen zählen alle Bauteile, die für die Versorgung mit elektrischer Energie notwendig sind:

  • Elektrische Leitungsanlagen inklusive Befestigung
  • Verteiler
  • Messeinrichtungen
  • Regel- und Steuereinrichtungen
  • Hausanschlusseinrichtungen
  • Sicherheitseinrichtungen
  • Netzgeräte

ETK – Einheitstemperaturkurve

Brandfall

  • 820°C nach 30 Minuten
  • 1000°C nach 90 Minuten

MLAR – Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (2005)

»5 Funktionserhalt von elektrischen Leitungsanlagen im Brandfall

5.1 Grundlegende Anforderungen
5.1.1 Die elektrischen Leitungsanlagen für bauordnungsrechtlich vorgeschriebene sicherheitstechnische Anlagen und Einrichtungen müssen so beschaffen oder durch Bauteile abgetrennt sein, dass die sicherheitstechnischen Anlagen und Einrichtungen im Brandfall ausreichend lang funktionsfähig bleiben (Funktionserhalt). Dieser Funktionserhalt muss bei möglicher Wechselwirkung mit anderen Anlagen, Einrichtungen oder deren Teilen gewährleistet bleiben.

5.2 Funktionserhalt
5.2.1 Der Funktionserhalt der Leitungen ist gewährleistet, wenn die Leitungen
a) die Prüfanforderungen der DIN 4102- 12:1998-11 (Funktionserhaltsklasse E 30 bis E 90) erfüllen oder
b) auf Rohdecken unterhalb des Fußbodenestrichs mit einer Dicke von mindestens 30 mm oder
c) im Erdreich verlegt werden.

5.2.2 Verteiler für elektrische Leitungsanlagen mit Funktionserhalt nach Abschnitt 5.3 müssen
a) in eigenen, für andere Zwecke nicht genutzten Räumen untergebracht werden, die gegenüber anderen Räumen durch Wände, Decken und Türen mit einer Feuerwiderstandsfähigkeit entsprechend der notwendigen Dauer des Funktionserhaltes und - mit Ausnahme der Türen - aus nichtbrennbaren Baustoffen abgetrennt sind,
b) durch Gehäuse abgetrennt werden, für die durch einen bauaufsichtlichen Verwendbarkeitsnachweis die Funktion der elektrotechnischen Einbauten des Verteilers im Brandfall für die notwendige Dauer des Funktionserhaltes nachgewiesen ist oder
c) mit Bauteilen (einschließlich ihrer Abschlüsse) umgeben werden, die eine Feuerwiderstandsfähigkeit entsprechend der notwendigen Dauer des Funktionserhaltes haben und (mit Ausnahme der Abschlüsse) aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen, wobei sichergestellt werden muss, dass die Funktion der elektrotechnischen Einbauten des Verteilers im Brandfall für die Dauer des Funktionserhaltes gewährleistet ist.«

»Die Dauer des Funktionserhaltes der elektrischen Leitungsanlagen für sicherheitstechnischen Anlagen und Einrichtungen muss mindestens betragen (MLAR 2005):

30 Minuten [zur Selbstrettung und Evakuierung]

  • Sicherheitsbeleuchtungsanlagen
  • Personenaufzüge mit Brandsteuerung
  • Brandmeldeanlagen einschließlich der zugehörigen Übertragungsanlagen
  • Anlagen zur Alarmierung und Erteilung von Anweisungen an Besucher und Beschäftigte, sofern diese Anlagen im Brandfall wirksam sein müssen
  • Natürliche Rauchabzugsanlagen (Rauchableitung durch thermischen Auftrieb)
  • Maschinelle Rauchabzugsanlagen und Rauchschutzdruckanlagen für die kein Funktionserhalt von 90 Minuten gefordert wird

90 Minuten [für die Einsatzkräfte]

  • Wasserdruckerhöhungsanlagen zur Löschwasserversorgung
  • Maschinelle Rauchabzugsanlagen und Rauchschutzdruckanlagen für notwendige Treppenräume in Hochhäusern und Sonderbauten
  • Bettenaufzüge in Krankenhäusern und anderen baulichen Anlagen mit entsprechender Zweckbestimmung
  • Feuerwehraufzüge«

MEltBauVO – Muster einer Verordnung über den Bau von Betriebsräumen für elektrische Anlagen 2009

Ȥ1 Geltungsbereich
Diese Verordnung gilt für die Aufstellung von
1. Transformatoren und Schaltanlagen für Nennspannungen über 1 kV,
2. ortsfesten Stromerzeugungsaggregaten für bauordnungsrechtlich vorgeschriebene sicherheitstechnische Anlagen und Einrichtungen und
3. zentralen Batterieanlagen für bauordnungsrechtlich vorgeschriebene sicherheitstechnische Anlagen und Einrichtungen in Gebäuden.

§4 Anforderungen an elektrische Betriebsräume
Elektrische Betriebsräume müssen so angeordnet sein, dass sie im Gefahrenfall von allgemein zugänglichen Räumen oder vom Freien leicht und sicher erreichbar sind und durch nach außen aufschlagende Türen jederzeit ungehindert verlassen werden können; sie dürfen von notwendigen Treppenräumen nicht unmittelbar zugänglich sein. Der Rettungsweg innerhalb elektrischer Betriebsräume bis zu einem Ausgang darf nicht länger als 35 m sein.

Elektrische Betriebsräume müssen so groß sein, dass die elektrischen Anlagen ordnungsgemäß errichtet und betrieben werden können; sie müssen eine lichte Höhe von mindestens 2 m haben. Über Bedienungs- und Wartungsgängen muss eine Durchgangshöhe von mindestens 1,80 m vorhanden sein.

Elektrische Betriebsräume müssen den betrieblichen Anforderungen entsprechend wirksam be- und entlüftet werden.

In elektrischen Betriebsräumen dürfen Leitungen und Einrichtungen, die nicht zum Betrieb der jeweiligen elek­­trischen Anlagen erforderlich sind, nicht vorhanden sein. Satz 1 gilt nicht für die zur Sicherheitsstromversorgung aus der Batterieanlage erforderlichen Installationen in elektrischen Betriebsräumen nach § 1 Nr. 3.

§5 Zusätzliche Anforderungen an elektrische Betriebsräume für Transformatoren und Schaltanlagen mit Nennspannungen über 1 kV
Abs. 5: Elektrische Betriebsräume müssen unmittelbar oder über eigene Lüftungsleitungen wirksam aus dem Freien be- und in das Freie entlüftet werden. Lüf-tungsleitungen, die durch andere Räume führen, sind feuerbeständig herzustellen. Öffnungen von Lüftungsleitungen zum Freien müssen Schutzgitter haben.

§6 Zusätzliche Anforderungen an elektrische Betriebsräume für ortsfeste Stromerzeugungsaggregate
Raumabschließende Bauteile von elektrischen Betriebsräumen für ortsfeste Stromerzeugungsaggregate zur Versorgung bauordnungsrechtlich vorgeschriebener sicherheitstechnischer Anlagen und Einrichtungen, ausgenommen Außenwände, müssen in einer dem erforderlichen Funktionserhalt der zu versorgenden Anlagen entsprechenden Feuerwiderstandsfähigkeit ausgeführt sein. [ ] Die Feuerwiderstandsfähigkeit der Türen muss derjenigen der raumabschließenden Bauteile entsprechen; die Türen müssen selbstschließend sein.

§7 Zusätzliche Anforderungen an Batterieräume
Raumabschließende Bauteile von elektrischen Betriebsräumen für zentrale Batterieanlagen zur Versorgung bauordnungsrechtlich vorgeschriebener sicherheits-technischer Anlagen und Einrichtungen, ausgenommen Außenwände, müssen in einer dem erforderlichen Funktionserhalt der zu versorgenden Anlagen entsprechenden Feuerwiderstandsfähigkeit ausgeführt sein. [ ] Die Feuerwiderstandsfähigkeit der Türen muss derjenigen der raumabschließenden Bauteile entsprechen; die Türen müssen selbstschließend sein.«

PRIORIT wünscht Ihnen ein frohes Weihnachtsfest
und einen guten Start ins neue Jahr 2018