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Recht + Gesetz Rettungswege

Weitere Informationen:
Alle Mustervorschriften und Mustererlasse: www.is-argebau.de
Aktuelle Bauregelliste vom DIBt
EU-Bauproduktenverordnung

Priorität hat der Personenschutz

Priorität hat der Personenschutz

Das wichtigste Ziel des vorbeugenden Brandschutzes ist der Personenschutz. Damit steht die Sicherung der Flucht- und Rettungswege im Zentrum aller Sicherungsmaßnahmen. Flucht- und Rettungswege in Bauwerken sind Verkehrswege, über die sich Personen bei akuter Gefahr selbst in Sicherheit bringen oder mit fremder Hilfe gerettet werden können. Die besonderen Anforderungen, die an die Ausbildung gestellt werden, sind in der Musterbauordnung und zahlreichen weiteren Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien beschrieben.

Bauproduktenverordnung (EU) Nr. 305/2011


» Artikel 1 Gegenstand
Diese Verordnung legt Bedingungen für das Inverkehrbringen von Bauprodukten oder ihre Bereitstellung auf dem Markt durch die Aufstellung von harmonisierten Regeln über die Angabe der Leistung von Bauprodukten in Bezug auf ihre Wesentlichen Merkmale sowie über die Verwendung der CE-Kennzeichnung für diese Produkte fest.

Artikel 4 Leistungserklärung
(1) Ist ein Bauprodukt von einer harmonisierten Norm erfasst oder entspricht ein Bauprodukt einer Europäischen Technischen Bewertung, die für dieses ausgestellt wurde, so erstellt der Hersteller eine Leistungserklärung für das Produkt, wenn es in Verkehr gebracht wird.
(3) Mit der Erstellung der Leistungserklärung übernimmt der Hersteller die Verantwortung für die Konformität des Bauprodukts mit der erklärten Leistung.

Artikel 6 Inhalt der Leistungserklärung
(1) Die Leistungserklärung gibt die Leistung von Bauprodukten in Bezug auf die Wesentlichen Merkmale dieser Produkte gemäß den einschlägigen harmonisierten technischen Spezifikationen an.
(2) Die Leistungserklärung enthält insbesondere folgende Angaben: a) den Verweis auf den Produkttyp, für den die Leistungserklärung erstellt wurde; b)das System oder die Systeme zur Bewertung und Überprüfung der Leistungsbeständigkeit […] , c) die Referenznummer und das Ausgabedatum der harmonisierten Norm […], d) soweit zutreffend, die Referenznummer der verwendeten Spezifischen Technischen Dokumentation und die Anforderungen, die das Produkt nach Angaben des Herstellers erfüllt.
(3) Zusätzlich enthält die Leistungserklärung Folgendes: a) den Verwendungszweck beziehungsweise die Verwendungszwecke des Bauprodukts […], b) die Liste der Wesentlichen Merkmale, die in diesen harmonisierten technischen Spezifikationen für den erklärten Verwendungszweck beziehungsweise die erklärten Verwendungszwecke festgelegt wurden; c) die Leistung von zumindest einem der Wesentlichen Merkmale des Bauprodukts […] d) soweit zutreffend, die Leistung des Bauprodukts nach Stufen oder Klassen […]

Artikel 9 (…) Anbringung der CE-Kennzeichnung

(1) Die CE-Kennzeichnung wird gut sichtbar, leserlich und dauerhaft auf dem Bauprodukt oder einem daran befestigten Etikett angebracht. Falls die Art des Produkts dies nicht zulässt oder nicht rechtfertigt, wird sie auf der Verpackung oder den Begleitunterlagen angebracht.«

MBO – Musterbauordnung

Ȥ3 Allgemeine Anforderungen
Anlagen sind so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und instand zu halten, dass die öffentliche Sicherheit und Ordnung, insbesondere Leben, Gesundheit und die natürlichen Lebensgrundlagen, nicht gefährdet werden.

§14 Brandschutz
Bauliche Anlagen sind so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und instand zu halten, dass

  • der Entstehung eines Brandes und
  • der Ausbreitung von Feuer und Rauch (Brandausbreitung) vorgebeugt wird und bei einem Brand
  • die Rettung von Menschen und Tieren sowie
  • wirksame Löscharbeiten möglich sind.«

DIBt – Deutsches Institut für Bautechnik

»Das DIBt ist eine gemeinsame Einrichtung des Bundes und der Länder in der BRD zur einheitlichen Erfüllung bautechnischer Aufgaben auf dem Gebiet des öffentlichen Rechts. Dies sind insbesondere:

  • Erteilung europäischer technischer Zulassungen für Bauprodukte und -systeme
  • Erteilung allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassungen für Bauprodukte und Bauarten
  • Anerkennung von Prüf- , Überwachungs- und Zertifizierungsstellen für Aufgaben im Rahmen des Ü-Zeichens und der CE-Kennzeichnung von Bauprodukten
  • Bekanntmachung der Bauregellisten A und B und der Liste C für Bauprodukte.«

Im System der Zulassung von Bauprodukten und Bauarten nehmen die deutschen Materialprüfanstalten eine wichtige Stellung ein. Nach ihrer Anerkennung durch das DIBt sind deren Prüfergebnisse, Zeugnisse und Expertisen Grundlage für eine DIBt Zulassung oder stehen direkt für die Zulassung.

MBO – Musterbauordnung

»§2 Gebäudeklassen
Gebäude sind selbständig benutzbare, überdeckte bauliche Anlagen, die von Menschen betreten werden können und geeignet oder bestimmt sind, dem Schutz von Menschen, Tieren oder Sachen zu dienen. Die Gebäude werden in verschiedene Gebäudeklassen unterteilt:«

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MBO – Musterbauordnung

»Sonderbauten
Sonderbauten sind Gebäude mit Anlagen und Räumen besonderer Art und Nutzung. Darunter zählen z.B.:

  • Hochhäuser > 22 m
  • Krankenhäuser, Heime, Pflegeeinrichtungen Schulen, Kindergärten Büro- und Verwaltungsgebäude > 400 m²
  • Verkaufsstätten > 800 m²
  • Versammlungsstätten > 200
  • Besucher Beherbergungsstätten, Schank- und Speisegaststätten

Zusätzliche Anforderungen für Leitungsanlagen in den Sonderbauverordnungen bzw. -richtlinien sind zu beachten!«

Industrielle Gebäude und Gebäudekomplexe (IndBauRL)

»Industriebauten sind Gebäude oder Gebäudeteile im Bereich der Industrie und des Gewerbes, die der Produktion (Herstellung, Behandlung, Verwertung, Verteilung) oder Lagerung von Produkten oder Gütern dienen.
Zusätzliche Anforderungen für Leitungsanlagen in der Industriebau-Richtlinie sind zu beachten!«

Rettungswege im Hoch- und Industriebau

Schutzziele und Vorschriften

Damit Gebäude sicher verlassen und evakuiert werden können, müssen sie nach der Musterbauordnung über sichere Flucht- und Rettungswege verfügen. Die besonderen Anforderungen an die Ausgestaltung der Flucht- und Rettungswege werden in der Musterbauordnung und in der Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie beschrieben.

MBO – Musterbauordnung 2002

»§35 Notwendige Treppenräume, Ausgänge
(1) Jede notwendige Treppe muss zur Sicherstellung der Rettungswege aus den Geschossen ins Freie in einem eigenen, durchgehenden Treppenraum liegen (notwendiger Treppenraum). Notwendige Treppenräume müssen so angeordnet und ausgebildet sein, dass die Nutzung der notwendigen Treppen im Brandfall ausreichend lang möglich ist.

§36 Notwendige Flure, offene Gänge
(1) Flure, über die Rettungswege aus Aufenthaltsräumen oder aus Nutzungseinheiten mit Aufenthaltsräumen zu Ausgängen in notwendige Treppenräume oder ins Freie führen (notwendige Flure), müssen so angeordnet und ausgebildet sein, dass die Nutzung im Brandfall ausreichend lang möglich ist.

§40 Leitungsanlagen, Installationsschächte und -kanäle
(2) In notwendigen Treppenräumen, in Räumen nach § 35 Abs. 3 Satz 3 und in notwendigen Fluren sind Leitungsanlagen nur zulässig, wenn eine Nutzung als Rettungsweg im Brandfall ausreichend lang möglich ist.«

MLAR – Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie 2005

»1 Geltungsbereich
Diese Richtlinie gilt für
a) Leitungsanlagen in notwendigen Treppenräumen, in Räumen zwischen notwendigen Treppenräumen und Ausgängen ins Freie, in notwendigen Fluren ausgenommen in offenen Gängen vor Außenwänden,
b) die Führung von Leitungen durch raumabschließende Bauteile (Wände und Decken),
c) den Funktionserhalt von elektrischen Leitungsanlagen im Brandfall.

2 Begriffe
2.1 Leitungsanlagen sind Anlagen aus Leitungen, insbesondere aus elektrischen Leitungen oder Rohrleitungen, sowie aus den zugehörigen Armaturen, Haus-anschlusseinrichtungen, Messeinrichtungen, Steuer- Regel- und Sicherheitseinrichtungen, Netzgeräten, Verteilern und Dämmstoffen für die Leitungen.

3 Leitungsanlagen in Rettungswegen

3.2.2 Messeinrichtungen und Verteiler
Messeinrichtungen und Verteiler sind abzutrennen gegenüber
a) notwendigen Treppenräumen und Räumen zwischen notwendigen Treppenräumen und Ausgängen ins Freie durch mindestens feuerhemmende Bauteile aus nichtbrennbaren Baustoffen; Öffnungen in diesen Bauteilen sind durch mindestens feuerhemmende Abschlüsse mit umlaufender Dichtung zu verschließen;
b) notwendigen Fluren durch Bauteile aus nichtbrennbaren Baustoffen mit geschlossenen Oberflächen; Öffnungen in diesen Bauteilen sind mit Abschlüssen aus nichtbrennbaren Baustoffen mit geschlossenen Oberflächen zu verschließen.

3.5 Installationsschächte und -kanäle, Unterdecken und Unterflurkanäle
3.5.1 Installationsschächte und -kanäle müssen – einschließlich der Abschlüsse von Öffnungen – aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen und eine Feuerwi-derstandsfähigkeit haben, die der höchsten notwendigen Feuerwiderstandsfähigkeit der von ihnen durchdrungenen raumabschließenden Bauteile entspricht. Die Abschlüsse müssen mit einer umlaufenden Dichtung dicht schließen. Die Befestigung der Installationsschächte und -kanäle ist mit nichtbrennbaren Befestigungsmitteln auszuführen.«

PRIORIT wünscht Ihnen ein frohes Weihnachtsfest
und einen guten Start ins neue Jahr 2018